warum ich nur gebisslos arbeite

Bei meinen eigenen Pferden hatten ich noch nie eine Trense in Verwendung. Ich frage mich, wer überhaupt auf die Idee gekommen ist, einem Pferd ein kaltes Stück Eisen in das empfindliche, von Nerven durchzogene Maul zu legen, nur um noch mehr Kontrolle ausüben zu können. Immerhin drücken Pferde damit Mimik aus, sie nehmen ihre Nahrung auf, knüpfen Kontakt und pflegen Freundschaften. Es dient dem sozialen Ausdruck, dem Fellknabbern und dem Erkunden der Umgebung – wie  selbstverständlich nutzen wir es völlig gegen seine Natur. Viele Reiter betrachten das Schäumen des Pferdemaules wohlwollend, dabei versucht das Tier lediglich den Fremdkörper (welcher fälschlicherweise als Futter eingeschätzt wird) einzuspeicheln und abzuschlucken. Da das nicht möglich ist, beeinträchtigt der Schaum zudem noch die Atmung, denn Pferde können entweder laufen oder fressen. Der Pferdeveterinär Dr. Robert Cook von der Tufts University Massachusetts fand heraus, dass der Körper des Tieres beim Fressen alle Kraft auf das lebenswichtige Futter konzentriert. Er drosselt während des Kauens das vegetative Nervensystem, den Herzschlag und die Atmung, legt Muskeln lahm und bremst das Gehirn. Das Pferd versucht beim Reiten, den Befehlen des Reiters zu gehorchen, obwohl ihm der Körper etwas völlig anderes vorgibt, da es natürlicherweise nur fressen, oder aber laufen würde - nicht beides gleichzeitig. Anatomisch gesehen ist im Pferdemaul außerdem viel zu wenig Platz für eine Trense. immer wieder kommt es zu quetschungen, verletzungen, Entzündungen, Knochensporen, Hämatomen, schäden an zähnen, zahnfleisch und kieferknochen sowie durchblutungsstörungen. Unter dem Reiter mit Eisen sowie Schaum im Maul und tiefer Atmung Höchstleistungen vollbringen zu müssen, ist nicht fair.

Und wer denkt, man könnte Pferde durch Kraft und Schmerz kontrollieren, liegt ohnehin falsch – das Gegenteil ist der Fall. Schmerzen versetzen das Fluchttier lediglich in noch mehr Panik, das Gebiss ist also tatsächlich kein zuverlässiger Schutz vor Kontrollverlust, besser man setzt auf eine solide ausbildung und gute beziehung zwischen pferd und mensch. Zudem ist eine ausreichende gymnastizierung zur gesunderhaltung des tieres bei entsprechendem ausbildungsstand problemlos gebisslos möglich.